Kapitel 5

5. Schlussfolgerung und Ausblick

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde die Frage diskutiert, wie sich die Interdependenz von Digital Leadership als Managementkonzept und der digitalen Transformation entwickelt.

In den einleitenden Überlegungen dieser Thesis stellte sich die Frage nach den sozialen und kulturellen Auswirkungen der digitalen Transformation. Die Untersuchung hat ergeben, dass eine enge Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichen Prozessen, die den sozialen Wandel vorantreiben, und dem digitalen Transformationsprozess besteht. Darüber hinaus hat sich in westlichen Gesellschaften die Überzeugung durchgesetzt, dass das Zusammenwirken der gesellschaftlichen Modernisierung und der digitalen Transformation sowohl für die Individuen als auch für die gesellschaftlichen Teilbereiche von großer Relevanz ist. Die digitale Transformation als technisch-rationale Realität ist somit zu einer Leitidee moderner Gesellschaften geworden. Vor diesem Hintergrund konnte festgestellt werden, dass der digitale Transformationsprozess mit weitreichenden Veränderungen in nahezu sämtlichen Bereichen der alltäglichen Lebensführung einhergeht. Der soziale Wandel und die digitale Transformation begründen und beeinflussen sich dementsprechend wechselseitig.

Neben den erwähnten produktiven, kreativen und ökonomisch wirksamen Aspekten der digitalen Transformation wurden im Verlaufe der Recherche jedoch auch Vorbehalte und kritische Stimmen konstatiert. Sie verweisen auf unerwünschte Folgeerscheinungen der digitalen Modernisierung, da mit gravierenden sozialen und kulturellen Erschütterungen gerechnet werden muss.

Die Digitalisierung als Transformationsprozess beeinflusst gemäß den bisherigen Ausführungen nicht nur einzelne Abläufe, sondern auch komplette Wertschöpfungsketten, wodurch neue Marktstrukturen und Wettbewerbsbedingungen entstehen. Die digitale Transformation stellt für zahlreiche Unternehmen einen entscheidenden Schritt dar, um den sich rasch wandelnden Marktbedingungen sowie den steigenden Kundenerwartungen gerecht zu werden. Sie vollzieht sich in mehreren Entwicklungsphasen, in deren Verlauf eine sukzessive Integration digitaler Technologien implementiert wird.

In diesem Zusammenhang stellte sich eingangs die Frage, ob tatsächlich jede Unternehmensform gleichermaßen von dieser Transformation betroffen ist oder ob es Branchen, Geschäftsmodelle oder Strukturen gibt, die sich diesem Wandel teilweise oder gänzlich entziehen können. Während hochdigitalisierte Branchen nahezu vollständig von der Transformation geprägt sind, erscheint der Einfluss auf traditionellere Bereiche zunächst begrenzt. Dennoch lässt sich auch in diesen Sektoren eine wachsende Bedeutung digitaler Technologien beobachten, woraus geschlossen werden konnte, dass sich langfristig kaum ein Unternehmen vollständig von diesem Wandel ausnehmen kann.

Dies ist eine besondere Herausforderung für das Management der Unternehmen, die sich an dynamische Marktveränderungen und technologische Innovationen anpassen müssen. An dieser Stelle ergab sich die Notwendigkeit, die Unterschiede zwischen analogem und digitalem Management herauszuarbeiten.

Die Führungsstruktur als integraler Bestandteil des Managements unterliegt einem steten Wandel. Dementsprechend richtete sich eine der Fragen nach dem sich wandelnden Führungsverständnis. Einerseits gibt es den Befund, dass sich die Industrie weiterentwickelt hat und moderne Technologien in den Unternehmensalltag integriert wurden. Andererseits kann daraus nicht ohne weiteres geschlossen werden, dass in der aktuellen Unternehmenslandschaft ausschließlich moderne Führungsansätze vertreten sind. Vielmehr lassen sich Führungsansätze aus allen Stufen der industriellen Weiterentwicklung beobachten: Unternehmen passen ihre Führungs- und Organisationsmethoden dynamisch an die Anforderungen der jeweiligen Geschäftsfelder an.

Die Differenz zwischen den unterschiedlichen Ansätzen von „Management“, „Leadership“ und „Digital Leadership“ stand im Fokus einer weiteren Fragestellung. Dabei stellte sich heraus, dass Leadership als integraler Bestandteil des Management verstanden werden kann. Der Begriff des „Leadership“ hat sich im Kontext moderner Führungsansätze herausgebildet. Ziel dieser Arbeit war es, ein Verständnis für die Besonderheiten dieses Begriffs zu schaffen und seine Bedeutung im Kontext moderner Unternehmensführung zu beleuchten. Die Wirksamkeit von Führung basiert nicht ausschließlich auf individuellen Kompetenzen der Führungskraft, sondern entsteht vielmehr durch das Wechselspiel zwischen persönlichen Eigenschaften und internen sowie externen Einflussfaktoren, die gemeinsam den Gesamterfolg bestimmen.

In Ergänzung zum Leadership-Konzept hat sich ein Führungsstil entwickelt, der auf die Herausforderungen und Chancen der digitalen Transformation zugeschnitten ist und als „Digital Leadership“ vorgestellt wird. Dementsprechend wurden Grundlagen des Konzepts entfaltet, die sich den zugehörigen zentralen Fragen und Lernzielen widmen. Dafür war es erforderlich, zu verstehen, was einen Digital Leader auszeichnet und welche Kompetenzen er besitzt bzw. entwickeln sollte.

Anhand eines Handlungsrahmens für Digital Leader wurden Kompetenzen, Qualifikationen und Persönlichkeitsdimensionen erarbeitet, die sich bei einem Idealtypus eines Digital Leader als „Homo dux perfectus“ wiederfinden lassen. Dies diente als Grundlange für die Erstellung eines tabellarischen Bewertungsrasters, das die Möglichkeit der Selbstevaluation eröffnet.

Die Feststellung, ob die Voraussetzungen für die Übernahme einer Funktion als Digital Leader in einem Unternehmen bestehen, ist im Rahmen dieser Arbeit an eine Selbstevaluation geknüpft worden. Bei einer Weiterentwicklung dieses Ansatzes könnte die entwickelte Methode durch eine Fremdevaluation erweitert werden. Hierbei würde das Raster durch ausgewiesene Kolleginnen und Kollegen bzw. Führungskräfte ausgewertet werden. Zudem ließe sich eine Evaluation im Rahmen eines externen Assessment durchführen. Die Bewertungskriterien sind nicht statisch und sollten laufend an die sich verändernden Rahmenbedingungen angepasst werden.

Um den Forschungsschwerpunkt dieser Thesis zu vertiefen, könnten zukünftige Untersuchungen darauf abzielen, die Kompetenzen und Qualifikationen von Digital Leader in unterschiedlichen Branchen zu analysieren, um herauszufinden, wie technologische, kulturelle und organisatorische Faktoren deren Wirksamkeit beeinflussen. Ebenso könnte die Entwicklung messbarer Indikatoren zur Bewertung des Erfolgs von Digital Leadership und seiner Auswirkungen auf Unternehmensleistung und Innovationsfähigkeit zusätzliche Erkenntnisse liefern. Auch die Analyse von Best Practices in Unternehmen, die Digital Leadership bereits erfolgreich implementiert haben, wäre ein sinnvoller Ansatz zur weiteren Vertiefung des Themas.

Um die digitale Transformation als Errungenschaft gesellschaftlich zu verankern, bedarf es einer Verständigung zwischen den unterschiedlichen Akteuren. Die dadurch angestrebte Zielsetzung vermag die soziale und kulturelle Bedeutung des Transformationsprozesses den gesellschaftlichen Teilgruppen zu vermitteln und somit seine Akzeptanz zu fördern. In diesen Diskurs sollten auch die Kritiker der digitalen Transformation einbezogen werden, um ihre Einwände und Vorschläge in die weitere soziotechnologische Entwicklung zu integrieren. Hierzu sei es angeraten, einen nationalen Digitalisierungsrat zu etablieren, der sich mit den genannten Fragestellungen und Herausforderungen auseinandersetzt.