1. Thematische Einleitung
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen
Moderne Gesellschaften zeichnen sich durch eine zunehmende Diversität aus (Charim, 2018, 9f.). Migrationsbewegungen, Globalisierung und Internationalisierung verändern Infrastrukturen und Kommunikationsprozesse. Von diesen strukturellen Veränderungen sind Organisationen, Unternehmen sowie soziale und kulturelle Institutionen betroffen. Wirtschaftliche Unternehmen stehen vor diesem Hintergrund vor besonderen Herausforderungen, die unterschiedliche Teilbereiche innerhalb der Organisationen betreffen. Das bedeutet, dass sich von der Personal- bis zur Marketing-Abteilung eines Unternehmens die Strukturen so weit verändern müssen, dass sie den globalen und kulturellen Anforderungen entsprechen. (Hatzigeorgiou & Lodefalk, 2021, S. 319–340)
In den aktuellen wissenschaftlichen Debatten wird der Fokus zunehmend auf die Bedeutung der kulturellen Einflüsse sowie auf die Art und Weise gelegt, wie Individuen oder Kollektive miteinander leben wollen. Dabei geht es um die Dynamik wirtschaftlicher und technologischer Innovationen sowie um die Herausforderungen im Umgang mit dem Wertewandel in Anbetracht der laufenden Modernisierungsprozesse. (Diehm & Radtke, 1999, S. 49–68; Hoesch, 2017, S. 127–217; Reckwitz, 2000, S. 64–90; Schür, 2013, 97f.)
In allen gesellschaftlich relevanten Bereichen wie der Ökonomie, der Kultur, der Politik und des Rechts hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass der hier angesprochene Wandel nicht mehr rückgängig zu machen ist (Heinemann, 2012, 18f.). Daher wurden Strategien entwickelt, die sich mit den Herausforderungen der ethnischen, kulturellen und religiösen Vielfalt in der Gesellschaft auseinandersetzen. Das Ziel dieser Bemühung lautet: gesellschaftliche Integration, die es den Angehörigen unterschiedlicher kultureller Gruppen ermöglicht, sich das notwendige Wissen und die Kompetenzen anzueignen, um ihre Anschlussfähigkeit an soziale und ökonomische Erfordernisse zu gewährleisten. (Hofstede et al., 2017, S. 49–59)
Diese Arbeit widmet sich einer der zentralen Herausforderungen der Betriebs- und Volkswirtschaft: der Lösung interkultureller Konflikte in globalisierungsorientierten Unternehmen.
Problemstellung und Zielsetzung
Die Wirtschaft als eine der Säulen des Zusammenhalts der Gesellschaft ist darauf angewiesen, Veränderungen zur Kenntnis zu nehmen und auf sie zu reagieren. Das bewerkstelligt sie zum Teil gleichsam vorbildlich im Bereich der Interkulturalität, indem sie sensibel auf kulturelle Differenzen, Traditionen und Einstellungen sowohl in der Mitarbeiterschaft als auch im Management und in der Wirtschaftspraxis eingeht (Eppenstein & Kiesel, 2008, S. 18–26). Die Zukunftschancen bzw. das wirtschaftliche Überleben von Unternehmen hängt langfristig davon ab, ob es letzteren gelingt, ihren kulturellen Öffnungsprozess voranzutreiben, um den Anforderungen einer modernen, internationalen und interkulturellen Ökonomie zu entsprechen (Alhendi, 2021, S. 98–105).
So wird in dieser Arbeit der Frage nachgegangen, wie internationale Unternehmen mit interkulturellen Konflikten umgehen, diesen vorbeugen und sie bewältigen.
Der Begriff der „Kultur“ erfordert eine gründliche Auseinandersetzung mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Ansätzen und ihren theoretischen Vorverständnissen. Die Vielfalt bestehender Kulturen wird zu einer gesellschaftlichen Herausforderung, sobald Menschen mit diversen kulturellen Orientierungen und Lebensformen aufeinandertreffen. Gegenstand dieser Arbeit ist die Untersuchung der Konsequenzen einer solchen Entwicklung in Form von Kulturkonflikten für Unternehmen. Auf der Grundlage mehrerer Kulturtheorien werden Kommunikationsstrategien vorgestellt, die sich mit den Voraussetzungen und Folgen interkultureller Distanzen auseinandersetzen. Eine Perspektive im Umgang mit den interkulturellen Problemlagen bieten interkulturelle Trainings. Zum Verständnis ihrer Relevanz, werden sowohl Trainingstypen vorgestellt als auch Methoden der Vermittlung erörtert.
Die Zielsetzung dieser Arbeit ist es, eine Analyse der Herausforderungen und Potenziale interkultureller Integration in der globalisierten Unternehmensumgebung durchzuführen und darauf aufbauend Handlungsempfehlungen für den Umgang mit interkulturellen Konflikten zu skizzieren. Dies soll in Form von „Best-Practice“ Impulsen erfolgen, die konkrete Maßnahmen und Strategien zur Integration der verschiedenen kulturellen Gruppen innerhalb der Mitarbeiterschaft und im Management fördern.
Im Rahmen der Arbeit wurden die bestehenden Angebote zur kulturellen Sensibilisierung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Unternehmen gesichtet und ausgewertet. Hierzu wurden drei Unternehmen aus unterschiedlichen Wirtschaftssektoren ausgewählt. Im Rahmen mehrerer Experteninterviews wurden Einblicke in deren interkulturelle Konzepte gewährt. Des Weiteren wurde der Frage nachgegangen, ob die in den Unternehmen durchgeführten interkulturellen Trainings verbindlich in die Teambildungsprozesse aufgenommen worden sind oder, ob das entsprechende Engagement der Betriebe nicht vor allem reaktiv als Krisenbewältigungsmechanismus zum Einsatz kommt.